Der Blog von Alexander Bonde MdB

Bondestag

28
Mai

Bundeswehr soll jetzt auch mal sparen: Na dann mal ran!

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat diese Woche angekündigt, dass auf die Bundeswehr in Zukunft sparen muss. Das ist neu: Hatte der Minister doch gerade erst in “guter alter Tradition” seines Vorgängers F-J Jung millionenschwere Mehrforderungen formuliert, damit in der Truppe alles so bleiben kann wie es ist und auch die gemeinsame Wunschliste von Rüstungsindustrie und Generälen schön weiter gekauf werden kann – egal ob von Nutzen oder nicht. Und mit den milliardenschweren Mehrzahlungen und Verzichten auf Strafzahlungen zugunsten von EADS bei der A400M-Beschaffung hatte er -trotz Vertragsbruch der Industrie und klarer Rechtsposition des Bundes- gerade noch den Geldbeutel schön weit geöffnet.

Bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr möchte (/muss?) Guttenberg in seinem Ressort weniger ausgeben. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten Rüstungsausgaben gestrichen werden, weitere Standorte geschlossen und über die Personalausgaben nachgedacht werden. Auch über die Wehrpflicht müsse man angesichts dieses Sparzwangs neu diskutieren.
Ich aknn nur sagen: dann mal ran!

Damit vollzieht Guttenberg zumindest rhetorisch einen Paradigmenwechsel, und er kommt mit dieser Ankündigung unseren grünen Anforderungen ein Stück entgegen. Spannend bleibt nun die Frage, ob er die Ankündigungen umsetzt und auch den Mut hat, echte Reformen bei der Bundeswehr voranzubringen.

Klar ist: angesichts der dramatischen Verschuldung muss auch die Bundeswehr den Gürtel enger schnallen. Mit über 31 Milliarden Euro verfügt sie über den zweitgrößten Etat im Bundeshaushalt. Es ist selbstverständlich, dass angesichts des immensen strukturellen Hauahsltsdefizits, der verfassungsrechtlich eingeführten Schuldenbremse und der Notwendikeit, die europäische Wirtschaft durch Abbau der Haushaltsdefizite zu stabilisieren, einen nennenswerten Beitrag leisten muss.

Damit gibt die Haushaltslage aber nur den Anlass zu einer tiefgreifenden Bundeswehrreform. Die Ursache lautet: die Bundeswehr ist schon lange sicherheitspolitisch falsch aufgestellt. Das verursacht Kosten für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, führt aber auch dazu, dass die Bundeswehr für Stabilisierungsmissionen im UN-Auftrag und die heutigen Einsätze unzureichend ausgerüstet und die Soldatinnen und Soldaten teilweise unzureichend ausgebildet sind.

Die schwarz-rote Zeit unter Minister Franz-Josef Jung waren für die Bundeswehr verschenkte Jahre. Es bedarf einer Bundeswehrreform, die den Namen verdient und die ohne Tabus die bisherige Struktur, Aufgaben und Ausgaben auf den Prüfstand stellt.

Dabei müssen drei Punkte berücksichtigt werden, ohne die eine Reform zum Scheitern verurteilt ist und die Bundeswehr weiter als semi-nutzvolles Milliardengrab dahinoperieren läßt:

1. Die Rüstungsbeschaffungen müssen reduziert werden. Vordringliches Kriterium muss die Einsatzrelevanz der geplanten Beschaffungen sein. Bei Projekten wie Eurofighter, Puma und Ubooten U212A muss Verteidigungsminister zu Guttenberg endlich die Stückzahlen reduzieren. Auf andere Projekte wie den Kampfhubschrauber Tiger, PARS 3, Taurus, das Raketenabwehrsystem MEADS, die teilweise aus der Sicherheitsanalyse des Kalten Kriegs resultieren, müsste die Bundeswehr ganz verzichten.

2. Auch die Personalstruktur der Bundeswehr passt nicht auf die Aufgabe. 250.000 Soldatinnen und Soldaten, die zum großen Teil für das falsche Szenario ausgerüstet sind, mögen viele Dienstposten für Offiziere generieren, aber sie sind haushalts- und sicherheitspoltisch ineffizient. Eine Verkleinerung der Bundeswehr auf 200.000 Soldatinnen und Soldaten und Strukturen, die nicht mehr zu großen Teilen auf Landesverteidigung und symmetrische Kriege ausgelegt sind müssen hier die Antwort sein.

3. Die offenkundigste Einsparmöglichkeit ist und bleibt die Wehrpflicht. Der Koalitionskompromissmurks sechsmonatige Wehrpflicht bringt den Wehrpflichtigen nichts, der Bundeswehr nichts, und sie kostet sogar mehr Geld. Sicherheitspolitisch ist die Wehrpflicht ohnehin nicht mehr zu begründen, sondern dient nur als teure Rekrutierungsmaßnahme für die Bundeswehr.

Wir haben die letzten Jahre den Reformbedarf bei der Bundeswehr immer wieder aufgezeigt und konstruktive Vorschläge zu einer kleineren und effizienteren Bundeswehr gemacht. Durch den Sparzwang kann sich die Regierung der Reformdebatte nun nicht mehr entziehen. Ihr Wegducken hat nicht ausgereicht – jetzt gilt es, die Debatte sachlich und breit zu führen und darauf zu achten, dass die Weichen richtig gestellt werden und die Strukturfragen auf den Tisch kommen

4 Kommentare zu “Bundeswehr soll jetzt auch mal sparen: Na dann mal ran!”

  1. Guttenberg will Verkleinerung der Bundeswehr

    Am 28. Mai 2010 um 15:09 Uhr

    [...] auf sich warten lassen, doch Guttenberg hielt ihre frühe Ankündigung für wichtig. Bondestag.de zum Sparplan Guttenbergs: Na dann mal ran! Eingetragen: 28.05.2010 von Venus |   [...]

  2. StFwdR

    Am 29. Mai 2010 um 09:11 Uhr

    Im Moloch Bundeswehr gibt es eine Menge Einsparpotential ;-)

    Aber, wie so oft wird das Pferd von hinten aufgezäumt.

    Als erstes muß klar und eindeutig definiert werden was wir mit unserer Parlamentsarmee überhaupt leisten wollen, welche Aufgaben sich die Bundeswehr zu stellen hat, daraus ableitend kann dann eine Analyse der Ist-Situation hinsichtlich Personal und Ausrüstung Klarheit darüber bringen wo und in welchem Umfang Einsparmöglichkeiten bestehen.

    Diese öffentlich zu führende Diskussion ist Notwendig um einen gesellschaftlichen Konsens über Art und Umfang, sowie Aufgaben der Bundeswehr herzustellen.
    Die Reaktion auf die jüngsten Äusserungen des Bundespräsidenten sprechen hier Bände. Diese Land muß in dieser Beziehung “erwachsen” werden und eine rationale Beziehung zu möglichen Einsätzen und Einsatzszenarien entwickeln, dieses ist schlicht nicht vorhanden. Der Einsatz von bewaffneten Streitkräften unterliegt nun mal anderen Regeln als eine Polizeimission.

    Auf der Grundlage des GG ist die primäre Aufgabe der Bundeswehr die Landes- und Bündnissverteidigung. Sekundär kommen die “Out of Aerea-Einsätze” aus Bündnissverpflichtungen UN / NATO dazu.

    Was bedeutet das ? Welchen Einfluß hat das auf den Personalumfang und die für die Aufgaben notwendigen Ausrüstung?

    Wenn hier die Antwort der Politik nur darin besteht die Zahl der Soldaten zu veringern, sowie die notwendige Ausrüstung zu streichen, dann können wir uns eine riesige Einsparmöglichkeit mit jährlich 31 Mrd eröffnen, denn dann können wir nicht nur die Wehrpflicht sondern die ganze Bundeswehr abschaffen.

    Die bisherigen Versuche der Reformen erinnern eher an die Methode “Jugend forscht” als an eine an den Erfordernissen der Realität gemessenen Maßnahmen.

    Die Debatte um die Wehrpflicht ist genauso einzuordnen. Aus gutem Grund wurde diese bei der Gründung der Bundeswehr als Basis für die Rekrutierung der Soldaten gewählt.
    Aber bei dem Wort Pflicht bekommen einige ja schon Schnappatmung und lehnen diese Grundsätzlich ab.
    Aus der vermeintlichen politischen Korrektheit wurde sie genutzt um die Schwankungen des Bedarfs auszugleichen, zuletzt über eine radikale Verkürzung auf ein Praktikum.
    Warum denkt man nicht über die Möglichkeit der generellen Verpflichtung auf eine Dienstpflicht mit einem Zeitraum x nach, der Männlein und Weiblein verpflichtet und freie Wahl über die Art des zu leistenden Dienstes (Zivil- oder Wehrdienst) lässt? Der es ermöglicht, innerhalb dieser Zeit die Menschen sinnvoll einer Aufgabe zuzuführen, sei es als Pflegekraft im Zivildienst oder als Soldat der in der zur Verfügung stehenden Zeit auch sinnvoll und komplett ausgebildet werden kann.

    Auch können die Wehrpflichtigen dann, komplett ausgebildet, auch wie bereits heute über die FWLD / SaZ -Schiene der Bundeswehr weiter nützlich zur Verfügung stehen auch in Auslandseinsätzen.

    Die Diskussion um die Wehrpflicht hängt sich zum großen Teil an der mangelden Verwendungsfähigkeit der Wehrpflichtigen auf, daran das diese eigentlich in den aktuellen Anforderungsprofilen aufgrund ihrer kurzen Wehrdienstzeit nicht eingesetzt werden können etc. Dies greift meines Erachtens zu kurz, den denn eine Berufsarmee mit einer Stärke von 50.000- 200.000 Soldaten kann den Primärauftrag ( auch wenn der Fall zur Zeit unwahrscheinlich ist ) nicht erfüllen und für den Sekundrauftrag fehlt die moderne Ausrüstung. Bei einer Kalkulation der dann entstehenden Personalkosten dürfte auch unter Berücksichtigung von Rückstellungen für Renten-und Pensionslasten sowie der dann notwendigen höheren Besoldung der aktiven Soldaten keine Einsparmöglichkeiten vorhanden sein, das ist reine Augenwischerei.

    Die bisherigen Programme zur Attraktivitätssteigerung führten zu einer Dienstgradinflation die seinesgleichen sucht, aber in einer Armee kommt es nicht nur auf Häuptlinge, sondern auch auch die Indianer an, letztendlich stellen wir ja nun fest, das die Leistungsgrenze für Einsätze bei 10 % der Gesamtstärke der Bundeswehr liegt und dies schon einen Kraftakt sondersgleichen erfordert, das statt gewachsene Einheiten geschlossen einzusetzen, bunt zusammengewürfelte Haufen in die Einsätze geschickt werden, was im Bereich der kämpfenden Teile dazu führt, das diese sich im “Training on the Job” finden müssen. Dabei wird übersehen, das gerade im Gefecht blindes Verständnis eine Grundvoraussetzung für erfolgreiches Bestehen desselben ist.

    Ausrüstungsdefizite angefangen bei fehlendem Gerät in der Einsatzvorbereitung und mangelnde Qualität der Ausrüstung tun ein Übriges. Hier ist der Hebel anzusetzen.

    Nach der genannten Analyse und Diskussion kommt also die Kalkulation der hierfür notwendigen Kosten unmd dann die Entscheidung ob wir bereit sind diese zu bezahlen.

    Das ist die Fragestellung, nicht das Ausklammern von Aufgaben wie die Landesverteidigung, die zur Zeit unrealistisch ist, jedoch jederzeit wieder aktuell werden kann.
    Ressourcen die hier aufgelöst werden können dann nur unter wesentlich höheren Aufwand und Kosten wieder hergestellt werden.

    Auf die politische Auseinandersetzung zu diesem Thema bin ich mehr als gespannt.

  3. J. Hartmann

    Am 1. Juni 2010 um 15:55 Uhr

    Das war dann mal wirklich ein Statement aus der Innenperspektive (d.R.) der Bundeswehr :)

    Die Debatte sowohl über Bundeswehrreform als auch über Einsparmöglichkeiten bei der Bundewehr ist meiner Ansicht nach überfällig.
    Ich habe auch vollstes Verständnis dafür, dass das Bedürfnis besteht, “dass Pferd von vorne aufzuzäumen” und erst einmal darüber zu diskutieren, was die Bundeswehr eigentlich leisten und können soll und wofür wir sie verwenden wollen. Eine solche Vorgehensweise wird aber immer an der Macht des Faktischen scheitern: wieviel Geld haben wir realistisch zur Verfügung?

    Der Spardruck auf die öffentlichen Haushalte ist immens. Ich glaube, die Bundeswehr darf und kann bei Sparbemühungen nicht ausgeklammert werden. Und ich glaube auch, dass das Einsparpotenzial besteht. Alleine wenn man sich diverse Rüstungsprojekte anschaut, beschleicht einen eher das Gefühl dass da eine Menge Geld rausgeworfen wird und nicht, dass die Bundeswehr vom Volumen her so schwachbrüstig aufgestellt ist. Warum müssen wir alles selbst entwickeln und bauen wollen? Und stellen dann fest, dass es entweder nicht funktioniert, oder aber mal eben um den Faktor 100% teurer wird? Die Zahl der Waffensysteme, die wir die letzten 20 jahre “von der Stange” gekauft haben, ist meinem Eindruck nach sehr überschaubar. Stattdessen entwicklen wir munter 30 Jahre an Eurofighter (vulgo Jäger 90) oder Kampfhubschrauber Tiger rum. Weniger Industriepolitik, mehr Sicherhetispolitik (oder wenigstens mal eine ausgewogene Mischung bitte).

    Thema Wehrpflicht und allgemeine Dienstpflicht: das Kernproblem ist doch nicht, dass wir Unmengen an Soldaten und Zivis brauchen oder Massen an Reservisten vorhalten müssen, weil die nächsten Jahre die Mobilmachung droht. Sicherheitspoltisch ist die Wehrpflicht fast nur noch mit Nachwuchsgewinnung zu begründen, und das ist ein verdammt schwaches Argument. Attraktiverer Dienst ist im Zweifel billiger und besser. Und zum beliebten Argument, nur die Wehrpflicht garantiere eine “demokratische Einbindung” der Bundeswehr: ich stelle mal die These auf, dass es nicht an den 35.000 Wehrpflichtigen lag, dass die Bundeswehr die letzten Jahre nicht putschen wollte. Wehrdienst leisten eh nur noch zumindest leicht Bundeswehr-affine junge Männer, alle anderen machen gar nix oder Zivildienst. Bei freiwilligem Kurzdienst sehe ich da keinen nennenswerten qualitiven Unterschied.

    Meiner Meinung nach sollte die Bundesregierung und Bundestag mal eine “echte” Bundeswehrreform anpacken:
    1. Wieviel Geld haben wir realistisch zur Verfügung?
    2. Was soll die Bundeswehr können (ggf. realistisch begrenzt durch 1.)?
    3. Wieviel Soldaten braucht sie für 2.(ggf. realistisch begrenzt durch 1.)?
    4. Welche Ausrüstung ist dafür erforderlich und prioritär?
    5. Welchen historischen und administrativen “Ballast” kann man abwerfen?

    250.000 Soldaten, ca. 100.000 Zivilisten, ca. 31 Mrd. € Budget – im Ergebnis haben wir eine schlecht ausgerüstete Bundeswehr, die mit 6.000-8.000 im Dauereinsatz befindlichen Soldaten im Grunde über der Kapazitätsgrenze arbeitet. Dazu eine Menge “Gespenstereinheiten”, die mit Ausrüstung aus den 60ern und 70ern rumsitzt und darauf wartet, dass sie in 20 Jahren evtl. auch mal die AUsrüstung bekommen, die wir vor 10 Jahren bescahffen wollten, für die aber das Geld fehlt. Das muss besser gehen. Evtl. fangen wir mal damit an, dass die Bundeswehr irgendwie alles gleichzeitig können will, mit dem Ergebnis, dass wir uns überall mit “Anfangsbefähigungen” rumwurschteln.

  4. StFwdR

    Am 2. Juni 2010 um 12:03 Uhr

    @J. Hartmann
    Genau das aber ist Sicherheitspolitik nach Kassenlage ;-)

    Ich sage ja nicht das bei dem Moloch Bundeswehr kein Einsparpotential besteht, sondern das die bisherigen und gerade heute aktuell in der Presse kursierneden Vorschläge nicht der Weisheit letzter Schluß sind.

    Und einmal abgebaute Fähigkeiten sind dann weg und können wenn überhaupt nur unter erheblichen finanziellen Einsatz wieder reaktiviert werden.

    Die Bundeswehr hat einen Wasserkopf im Bereich der Führung & Verwaltung und von daher jede Menge Sparpotential.
    Nur wen führen die?

    Bei 10.000 Soldaten im Einsatz ist Schluß und davon sind nur max. 1/3 “Kämpfer” für den eigentlichen Auftrag der Rest ist Logistik und Führung. Wie soll das denn gehen und wohin soll das führen?
    Einsatzfähig sieht anders aus ;-)

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